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Projekttage in der Synagoge Gröbzig mit Jugendlichen

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Veröffentlicht am Dienstag 27 November 2007 16:36:32 von Dornröschen
news.gifGröbzig/MZ-Regionalteil Köthen.
Gefüllte Auberginen aus der kurdischen und Haman-Gebäcktaschen aus der jüdischen Küche standen am Sonnabend auf dem Speiseplan der Jugendbildungsstätte Synagoge Gröbzig. Anlässlich zweier Projekttage zum Thema Migration in Deutschland weilten dort am Wochenende Jugendliche und junge Erwachsene türkischer, syrischer, russischer und deutscher Herkunft. Migration geht durch den Magen.
>Bis auf eine Ausnahme, denn Juan (18) sagte bereits bei der gemeinsamen Zubereitung des Essens ganz selbstbewusst: "Auberginen mag ich nicht". Dabei würden in der kurdischen Küche vor allem Grundnahrungsmittel verwendet, die auch in kurdischen Gebieten hergestellt werden, erwiderte Marion Méndez. Dazu zählten auch Auberginen, so die Leiterin der Jugendbildungsstätte weiter. Dennoch freute sie sich, dass das köstliche Ofengericht den restlichen Besuchern mundete. Die Veranstaltung am Wochenende war die erste in der Gröbziger Einrichtung zum Thema Migration. Im Mittelpunkt des von der Landeszentrale für politische Bildung geförderten Projekts stand die Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen und Möglichkeiten der Migration sowie der Integrationsarbeit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.
Auch mit jüdischer und kurdischer Religion und Kultur beschäftigten sich die Teilnehmer, die allesamt Stammbesucher der Awo-Begegnungsstätte "Dornröschen" in Halle sind.
Darüber hinaus standen eine Gesprächsrunde zum Projektthema mit einem Fachberater, die künstlerische Anfertigung von Reliefs religiöser und kultureller Symbole sowie ein gemeinsames Fußballspiel mit Gröbziger Jugendlichen auf dem Programm. Unterstützung erhielten die Organisatoren hierbei vom Schulzentrum der Stadt sowie vom Gröbziger Fußballverein.
Die Jugendbildungsstätte Synagoge Gröbzig verstehe sich als Ort, an dem Migranten verschiedener Herkunft mit Jugendlichen vor Ort zusammen treffen können, so Marion Méndez. "Mit dem gemeinsamen Wirken wollen wir dazu beitragen, dass Jugendliche die Möglichkeit haben, Verständnis füreinander zu entwickeln", erläuterte sie. Migration stelle ihrer Meinung nach kein Problem dar, obwohl dies oft als solches dargestellt würde. Vielmehr könne Migration als Bereicherung angesehen werden - "ohne dass man seine eigene Sprache oder Tradition aufgeben muss", ergänzte sie.
Mit dem Einleben in Deutschland haben die Teilnehmer freilich schon reichlich Erfahrungen gesammelt. Yunus Saylemez (18) zum Beispiel. Vor zwölf Jahren kam er aus der Türkei nach Deutschland. "Am Anfang war es sehr schwer, Freunde zu finden, auch weil ich die Sprache noch nicht konnte", erinnerte er sich. Zudem habe er sich in der Schule zunächst ausgegrenzt gefühlt. Wie er sich schließlich doch Anerkennung verschaffte? "Durch Leistung, ich bin gut in Sport und in Mathe", so Yunus, der nach seinem Fachabitur gern eine kaufmännische Ausbildung beginnen möchte.
Auch Hamund Rasho (18), der aus Syrien stammt und seit sechs Jahren in Deutschland lebt, hat schon Vorstellungen von seiner Zukunft. Erst wolle er seinen Schulabschluss nachholen. "Damit ich was in der Hand habe", erklärte er. Und dann einen Beruf erlernen - "als Metallbauer oder Schlosser", blickte Hamund voraus.
Als "ganz normal" bezeichnete Stefan Lippik (17), der die Gruppe aus Halle als einziger Deutscher begleitete, das Verhältnis zu seinen aus dem Ausland stammenden Freunden. "Das sind auch nur Menschen", sagte er überzeugt.
Steffen Wieders, der Leiter der Hallenser Awo-Begegnungsstätte zeigte sich dankbar, dass er vom Team der Synagoge Gröbzig auf das Projektwochenende aufmerksam gemacht wurde: "Das Wochenende stellt eine gute Abwechslung zum Großstadtleben dar". Eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die auch um Bildungsangebote ergänzt wird, sei ihm für seine Jugendlichen sehr wichtig. Als Beispiel gelungener Jugendarbeit führte er einen seiner ausländischen Stammbesucher in Halle an. Noch vor zwei Jahren hätte er diesen regelmäßig rausschmeißen müssen. Nach zahlreichen und mitunter auch lauten Gesprächen habe man aber entsprechende Normen und Werte vermitteln können.
"Inzwischen kann ich ihm als DJ sogar meine hochwertige Technik anvertrauen", so Wieders. Zudem haben für "Chef", wie seine Jugendlichen ihn freundschaftlich nennen, zwei Dinge einen hohen Stellenwert - sowohl bei seiner Arbeit in Halle als auch an diesem Wochenende in Gröbzig: Dass seine jungen Leute ihre Fähigkeiten kennen lernen und dass sie ab und zu auch mal eine Reaktion darauf bekommen.